„Dinosaurier lebten in der Sandkiste“

Märkische Oderzeitung

Bad Freienwalde: Es ist Mittwoch, der 17. Juni, gegen 13 Uhr, als der erst sechsjährige Sean Pankow einen archäologischen Fund macht. Gerade hat er noch nichtsahnend in der Sandkiste der Kita „Fuchsbau“ gebuddelt, als er ihn plötzlich in der Hand hält: Einen versteinerten Dinosaurierfisch aus der Jura-Zeit. Auf „350 Jahre“ bestimmt er dessen Alter. Fündig geworden ist auch sein Kollege Nico Geppard (5): Er hat zufällig den Knochen eines Landsauriers ausgegraben. Die vierjährige Amy Forbrig hingegen ist sich bei der Bestimmung noch unsicher: Sie glaubt, „ein Brett“ gefunden zu haben, während die Umstehenden ebenfalls an die Überreste einer Urzeitechse glauben.

Abhilfe verspricht da André Neumann vom Förderverein des Museums für Naturkunde in Berlin. Zur Klassifizierung der Fundobjekte hat er extra beschriftete Kärtchen dabei und auch eine große bunte Karte, auf der der ehemalige Lebensraum der Dinos aufgezeichnet ist. So stellt sich heraus, dass es sich bei Amys Fundstück tatsächlich um eine versteinerte Meeresschildkröte handelt. Bei Nicos Fund handelte es sich um ein Tierchen mit dem etwas komplizierten Namen „Dysalotosaurus“. Und auch das Alter von Seans Urzeitfisch kann jetzt etwas genauer bestimmt werden.

Dass es sich bei den Objekten nur um Gipsmodelle handelt und dass diese später wieder in einer großen Metallbox verschwinden müssen, scheint die kleinen Archäologen an diesem Tag nicht zu stören. Und auch André Neumann ist zufrieden: „Das war wirklich eine großartige Resonanz. Die Kinder waren von Anfang bis Ende dabei!“, sagt er. Ein gutes Omen für das Projekt, das sich noch in der Testphase befindet: Mit der ungewöhnlichen Methode soll das wissenschaftliche Interesse der Kinder geweckt werden. „Museum unterwegs“ ist der Name des Projekts, das im nächsten Jahr starten soll.

Durch den persönlichen Kontakt einer Mutter fiel die Wahl der Projektmitarbeiter auf die Kinder der Kita „Fuchsbau“, die sich als erste Kinder in Brandenburg an den Dinoknochen versuchen durften. Wie sie sich dabei schlugen, hat ein Mitarbeiter des Vereins dokumentiert. In 20 weiteren Kitas soll das Verfahren noch getestet werden, bis im Herbst die Bewertung des Projektes beginnt. Ab dem nächsten Sommer könnten sie dann häufiger werden: die aufregenden Funde in Sandkisten in Berlin und Brandenburg.